Weinprobe, systemtheoretisch / Von Hans Brunner aus Basel / September 2013

Dieses Verslein mag sich fügen
Der edlen Runde zum Vergnügen.
Und will der Reim auch etwas stocken,
So bleibt die Kehle doch nicht trocken.
Viel Märchen sich am Weine ranken,
Weil Trinker oft am Rheine wanken.
Doch spürt man Schwindel, weiss man nie,
Ob dies bewirkt die Theorie
Und nicht der Wein, das kühle Nass,
Denn Sinnsysteme sind kein Spass.
Und hat man dieses dann kapiert,
Wird jenes wieder revidiert,
Denn wer die Fuchs‘schen Fährten kennt
Weiss, alles bleibt doch kontingent.

Wer nur mit schwachen Geistesgaben
Versucht am Kurse teilzuhaben,
Vernimmt Geschichten kurz und schlau
Zum Tun der Fuchs’schen Ehefrau.
Wie sie die Welt des Mannes leitet,
Des Sinnes Grenzen überschreitet,
Und sich entwickelt zur Instanz
Für alle Praxisrelevanz

Systeme, nur um das zu sagen,
Kann man nicht einfach bei sich tragen.
Sie sind zwar etwas doch auch nicht.
Betrachtet man’s in diesem Licht,
Scheint uns das Ganze sehr vertrackt.
Herr Fuchs nennt das bloss hochabstrakt.
Er ordnet der Gedanken Bahnen
Und will uns täglich neu ermahnen,
Dass hinter unsres Geistes Mauern
So mancherlei Gefahren lauern.
So ist die Selbstbezüglichkeit
Das Ende der Gemütlichkeit.
Wenn sich der Sinn nach Sinn befragt
Und sich das Selbst dann selbst versagt;
Doch haben wir die Lösung schon:
Wir greifen jetzt zur Funktion.
Und sagst du „ist“, ist’s schon passiert,
Weil so ein „ist“ bloss noch fungiert.
Sowohl die Bratwurst wie die Zeitung
Ist nur noch eine Unterscheidung.
Und deshalb ist auch dieser Wein
Im Zeitgebrauch des Nachhinein
Ein Horizont bloss, eine Spur
Geschmack nach Sein in der Textur.

Die nächste Frage liegt bereit:
Wie komm ich raus aus Raum und Zeit?
Und fall ich dann, als nächstes noch
Ganz plötzlich in ein schwarzes Loch,
Aus dem es kein Entrinnen gibt
Wo alles auseinanderstiebt
Um zeit- und raumlos zu verschwinden
Nur reines Nichts und kein Befinden?

Doch dieser Sorgenüberschuss
Verdirbt uns heute den Genuss
Denn alles ist doch Gegenwart
Hier ist das Denken andrer Art
Doch sagt, Ihr Zecher, habt Ihr schon
Die angemessne Funktion
Und wisst Ihr, ob im Trinken steckt
So etwas wie ein Unjekt?
Und ist der Geist im Weine schon
Der Kern der Kommunikation?
Die Antwort liegt bereits bereit
Trotz grosser Unwahrscheinlichkeit.
Ganz sicher wird so ungeniert
Die vierte Ordnung eingeführt,
Wo Sinn zu Supersinn mutiert
Wo Unsinn schnell zu Wahnsinn führt.
Drum will ich enden meine Reime
Und sagen prost beim edlen Weine.

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